Jeyaratnam Caniceus

Mitglied der ÖDP
Ratsherr der Stadt Kempen

 

Sommergespräch ÖDP/Linke Kempen „Wir sind wie das Salz in der Suppe“
von Rheinische Post - Birgitta Ronge
29.08.21     Klicks:160     A+ | a-
Die Fraktion ÖDP/Linke will im Kempener Stadtrat Akzente setzen. Im Fokus sind Themen wie bezahlbares Wohnen und Klimaschutz.

Zunächst sei es eine Nutzehe gewesen, dann sei eine Liebesheirat daraus geworden, sagen Jeyaratnam Caniceus und Günter Solecki augenzwinkernd. Sie spielen auf ihre Fraktion ÖDP/Linke an, die sie im Kempener Stadtrat bilden. Die ÖDP teile gerade im sozialen Bereich vieles mit der Linken, sagt Solecki über Gemeinsamkeiten und über die Arbeit in der Fraktion: „Wir sind enger zusammengerückt.“

Mit zwei Sitzen sind sie im Rat vertreten, also eher klein – was die Fraktion ÖDP/Linke nicht daran hindert, immer wieder Anträge zu stellen zu den Themen, die sie beschäftigen. „Wir sind wie das Salz in der Suppe“, sagt Caniceus. „Wir punkten mit eigenen Ideen.“ Dass es dafür oft keine Mehrheiten gibt, schreckt die beiden nicht ab: „Auch wenn wir etwas nicht durchbringen, setzen wir Akzente“, sagt Caniceus, „und es kann sein, dass man das Thema dann ein paar Jahre später aufgreift.“ So sei etwa das Thema Architektenwettbewerb für den Kempener Westen für seine Fraktion noch nicht erledigt, sagt Solecki: „Wir setzen da auf Beharrlichkeit.“ Gleichzeitig gebe es genügend Dinge, die die Fraktion ÖDP/Linke gemeinsam mit anderen Fraktionen auf den Weg gebracht habe.

Ihre Schwerpunkte setzt die Fraktion bei bezahlbarem Wohnen und Klimaschutz. Zum Thema Wohnraum haben Caniceus und Solecki viele Ideen. „Ich möchte nicht, dass Kempen restlos alle Grundstücke verscherbelt“, sagt Caniceus etwa und verweist auf ein Baulandmodell, bei dem die Stadt Bauland vergibt, aber die Planungshoheit behält. Seit Jahren kämpfe er für bezahlbaren Wohnraum, weil jeder, „auch der Polizist, auch die Krankenschwester“, Wohnungen benötige, aber auch um junge Leute in der Stadt zu halten. „Wir wollen keine Hochhäuser, keine Brennpunkte, keine Flächenversiegelung“, betont er gleichzeitig. Ein Mix aus Einfamilien- und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern sei denkbar, auch Tiny-Houses seien interessant, sagt Caniceus. Auf viele Dinge und Möbel könne man verzichten, deshalb sei das Wohnen im Mini-Haus möglich: „Wer braucht noch große Bücherregale?“ Viel Leben passe heute auf eine Festplatte.

Um weniger Fläche zu versiegeln, müsse man überlegen, Dachgeschosse auszubauen. Das müsse man individuell entscheiden können, abhängig davon, wie der Eigentümer den Wohnraum verbessern wolle, fügt Solecki hinzu, ihn unterstützen, wenn er statt Satteldach ein Vollgeschoss aufsetzen wolle. Und um nicht weiter in die Fläche zu gehen, sollten zunächst Baulücken in der Stadt geschlossen werden, sagt Caniceus. Doch um all das umzusetzen, brauche die Stadt einen Masterplan für bezahlbaren Wohnraum.

Der Klimaschutz sei in Kempen lange vernachlässigt worden, sagt Caniceus, „das holen wir jetzt nach.“ Man investiere in Photovoltaik-Anlagen und Solarthermie, „aber Klimaschutz darf keine Lifestyle-Geschichte werden“, sagt Caniceus. Sicher habe die eine oder andere Familie zwei E-Autos und Photovoltaik auf dem Dach, doch es könne sich sein, dass diejenigen, die das nicht hätten, weil sie es nicht bezahlen könnten, sich deshalb schämten. Klimaschutz müsse für jeden möglich sein. Dazu beitragen könnte der Umstieg aufs klimafreundliche Fahrrad – zur Sicherheit der Radfahrer beitragen soll das Radverkehrskonzept. „Wir erwarten eine konsequente Umsetzung“, sagt Caniceus. Schließlich habe die Stadt nun eine Mobilitätsmanagerin. Viele junge Menschen wollten auch kein Auto, sagt Caniceus. Er könne sich deshalb vorstellen, in einem Baugebiet einen Teil zur autofreien Zone zu erklären und Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder und Lastenräder anzubieten. Gleichzeitig brauche man in Kempen mehr Ladestationen für E-Autos, „auch im Hagelkreuz“.

„Wir haben jetzt die Chance, in Kempen Weichen zu stellen“, blickt Caniceus nach vorn. Klare Mehrheiten gebe es nicht mehr, deshalb müsse man immer wieder diskutieren und überlegen, wie man die Zukunft gestalten wolle: „Jetzt müssen wir Kempen neu denken. Ob Schule, Wohnen, Verkehr oder Klima – was wir jetzt anfangen, ist entscheidend für die nächsten 20 Jahre.“


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